Die Bilder aus Berlin Anfang des Jahres wirken nach: Tage ohne Strom, stillstehende Betriebe, geschlossene Supermärkte. Spätestens seit dem Blackout nach einem Brandanschlag ist vielen Unternehmen bewusst, wie verletzlich ihre Infrastruktur ist. Die wachsende Sorge vor Versorgungsunterbrechungen macht Stromsicherheit zu einem zentralen Thema.
Während Sicherheitstechnik lange vor allem Einbruchschutz, Videoüberwachung oder Zutrittskontrollen bedeutete, rückt nun die Frage in den Mittelpunkt: Was passiert, wenn der Strom weg ist? Unternehmen verlangen zunehmend Konzepte, die auch im Ernstfall funktionieren – von Notstromlösungen bis zur Priorisierung kritischer Systeme.
Damit wandelt sich die Rolle der Integratoren. Sie werden stärker zu Beratern für Resilienz und Business Continuity, nicht nur zu Lieferanten einzelner Komponenten. Sicherheitsdienstleister wie Dussmann berichten bereits von wachsender Nachfrage nach solchen ganzheitlichen Lösungen.
Zusätzlichen Schub erhält der Trend durch strengere gesetzliche Vorgaben. Mit der Verschärfung der Vorschriften für kritische Infrastrukturen und der Umsetzung der EU-Richtlinie NIS-2 müssen deutlich mehr Unternehmen Risikoanalysen, Notfallpläne und technische Schutzmaßnahmen nachweisen.
Für Sicherheitseinrichter bedeutet das komplexere Projekte, mehr Dokumentationspflichten und eine engere Verzahnung von IT- und Gebäudesicherheit.
Wie umfassend Vorsorge aussehen kann, zeigen große Unternehmen. Der Technologiekonzern Dräger setzt etwa auf redundante Energieversorgung und detaillierte Wiederanlaufpläne, während Handelsketten wie Rewe zumindest kritische Filialfunktionen mit Notstrom absichern. Solche Modelle dienen zunehmend auch mittelständischen Firmen als Orientierung.
Für die Sicherheitsbranche entsteht damit ein paradoxes Bild: Die Nachfrage steigt, gleichzeitig nehmen Komplexität und Verantwortung zu. Kunden erwarten nicht mehr nur funktionierende Technik, sondern belastbare Strategien für Krisenszenarien.
Die Angst vor Stromausfällen wird so zum Treiber eines strukturellen Wandels. Sicherheitstechnik ist längst nicht mehr nur Schutz vor Einbruch – sie wird zu einem entscheidenden Faktor für die Betriebsfähigkeit von Unternehmen im Ausnahmezustand.
Quelle: Handelsblatt.de