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Verbände fordern Innovationen im Bevölkerungsschutz

Geschrieben von Bastian Fricke | 20. August 2026, 06:02:53 Z
Der geplante Pakt für den Bevölkerungsschutz soll bis 2029 zehn Milliarden Euro bereitstellen. Nach Auffassung des Deutschen Rettungsrobotik-Zentrums und der vfdb darf das Geld jedoch nicht nur in die Modernisierung vorhandener Ausstattung fließen, sondern muss auch neue Fähigkeiten schaffen. Dafür fordern die Verbände eine eigene Säule „Innovation und Technologietransfer“ mit verbindlichem Budget.

Vom Beschaffungsprogramm zum Fähigkeitspakt

Die strukturelle Herausforderung liegt im Übergang von Forschung und Industrie in den praktischen Einsatz. Erfolgreiche Demonstratoren werden nach Angaben der Verbände häufig weder beschafft noch in Ausbildung und Einsatz integriert. Damit bleibt technisches Potenzial ungenutzt. Für alle beteiligten Akteure stellt sich deshalb die Aufgabe, Entwicklung, Erprobung, Beschaffung und Qualifizierung als zusammenhängenden Prozess zu organisieren. Das betrifft Einsatzorganisationen ebenso wie Wissenschaft, Industrie und Start-ups. Entscheidend ist, dass neue Systeme nicht bei einem Forschungsprojekt oder einer Einzelbeschaffung stehen bleiben, sondern einsatzreife Fähigkeiten hervorbringen.

Zehn Milliarden Euro bis 2029

Die vom Bundeskabinett beschlossenen Eckpunkte für den Pakt sollen die Zivile Verteidigung und den Bevölkerungsschutz stärken. Vorgesehen sind Investitionen von zehn Milliarden Euro bis 2029. Ein Signal für den technologieoffenen Ansatz ist nach Einschätzung der vfdb und des DRZ die angekündigte Eröffnung des Technologiezentrums für Drohnensicherheit am DLR-Standort Cochstedt am 18. August. Dort sollen Reallabore Forschung, technologische Innovation und die Anforderungen der Sicherheitsbehörden zusammenführen. Die Verbände sehen darin eine Entwicklung in die richtige Richtung, halten für einen zukunftsfähigen Bevölkerungsschutz aber einen breiteren Ansatz für erforderlich.

Was „Innovation und Technologietransfer“ bedeutet

Die geforderte Innovationssäule ist mehr als ein Fördertopf für neue Technik. Sie soll den Weg von einer erkannten Fähigkeitslücke bis zur breiten Anwendung absichern. Dazu gehören die gemeinsame Bedarfsermittlung, die Entwicklung geeigneter Systeme, realitätsnahe Erprobung und Validierung sowie Standardisierung, Beschaffung und Qualifizierung. „Technologietransfer“ bezeichnet in diesem Zusammenhang die dauerhafte Überführung von Forschungsergebnissen in Ausbildung und Einsatz. Messbare Fähigkeitsziele und ein festgelegter Innovationsanteil am Gesamtbudget sollen verhindern, dass Investitionen bei Forschungsprojekten oder einzelnen Demonstratoren enden.

Drei Aufgaben für die Innovationssäule

Aus Sicht der Verbände muss die neue Säule drei Aufgaben verbindlich abdecken:

  • Fähigkeitslücken gemeinsam mit den Einsatzorganisationen ermitteln.
  • Neue Systeme unter realistischen Bedingungen erproben und validieren.
  • Erfolgreiche Lösungen in die breite Anwendung bringen.

Diese Reihenfolge verbindet Bedarf, Praxistest und Nutzung. Für die technische Umsetzung braucht es nach Angaben des DRZ und der vfdb eine dauerhafte Zusammenarbeit von Einsatzorganisationen, Wissenschaft, Industrie und Start-ups. Bestehende Forschungs-, Erprobungs- und Transferinfrastrukturen sollen gezielt gestärkt werden.

Technik soll Einsatzkräfte aus Gefahrenzonen heraushalten

Unbemannte Luft- und Bodensysteme, Robotik und Künstliche Intelligenz können Einsatzkräfte bereits heute unterstützen. Sie liefern Lagebilder, messen Schadstoffe und erkunden Bereiche, in denen Explosionen, Einsturzgefahr, Überflutungen oder Strahlenquellen Menschen gefährden. Die Systeme ersetzen keine Einsatzkräfte. Ihr Nutzen liegt darin, Menschen aus Gefahrenzonen herauszuhalten und die Fähigkeiten von THW, Feuerwehren und Hilfsorganisationen zu erweitern. Damit diese Unterstützung im Einsatz zuverlässig funktioniert, müssen Systeme realitätsnah geprüft, validiert und in Ausbildung sowie Einsatzabläufe integriert werden.

Bund, DRZ und vfdb setzen auf Zusammenarbeit

Der Bund setzt mit dem Technologiezentrum für Drohnensicherheit auf ein Reallabor, das Forschung, Innovation und Anforderungen der Sicherheitsbehörden zusammenführt. Das DRZ fordert gemeinsam mit der vfdb eine eigenständige Innovations- und Technologietransfersäule im Bevölkerungsschutzpakt. Die vfdb spricht sich außerdem dafür aus, das Sicherheitsforschungsprogramm der Bundesregierung mit dem Pakt zu verzahnen und zivile Sicherheitsforschung ausreichend sowie nachhaltig zu finanzieren. Das DRZ arbeitet als bundesweites Kompetenz-, Innovations- und Transfernetzwerk; Einsatzorganisationen, Wissenschaft und Wirtschaft entwickeln dort Technologien für reale Einsatzanforderungen.

Entscheidend ist der durchgängige Transfer

Die zentrale Aussage der Verbände lautet: Zehn Milliarden Euro entfalten ihre Wirkung erst dann vollständig, wenn sie neben bestehender Ausstattung auch neue Fähigkeiten finanzieren. Dafür braucht es klare Ziele, einen verbindlichen Innovationsanteil und belastbare Übergänge von der Forschung bis zur Qualifizierung. Gerade bei komplexen technischen Lösungen entscheidet nicht allein der Demonstrator, sondern seine praktische Erprobung und Integration. Wie sich dieser Transferprozess in den einzelnen Bereichen des Bevölkerungsschutzes konkret gestalten lässt, bleibt damit eine gemeinsame Aufgabe der beteiligten Organisationen und Unternehmen. Informationen zu entsprechenden Veranstaltungen bieten Anknüpfungspunkte für den fachlichen Austausch.

Wie andere inhabergeführte Errichterbetriebe technische Innovation, Erprobung und Qualifizierung einordnen, zeigt sich oft erst im Austausch – genau dafür steht The Circle of Security Professionals. In einem Netzwerk von maximal 60 Betrieben entstehen aus vergleichbaren Fragen häufig belastbare, praxisnahe Perspektiven.

Quelle: ots Presseportal: Zehn-Milliarden-Pakt: Verbände fordern Innovationen für den Bevölkerungsschutz