Der Quellentext beschreibt ein strukturelles Problem bei Gruppenchats in Whatsapp, iMessage, Signal und Threema. Die Verschlüsselung schützt zwar vor Mitlesen durch Unbefugte, aber nicht vor verfälschten Inhalten innerhalb der Gruppe. Möglich wird das, wenn ein legitimes Gruppenmitglied selbst handelt oder das Gerät eines Mitglieds kontrolliert wird. Dann können Nachrichten mit derselben Identifikationsnummer, aber unterschiedlichem Inhalt bei verschiedenen Empfängern ankommen.
Für die Teilnehmer entsteht damit ein falsches Bild des Chatverlaufs. Besonders kritisch ist das, weil auch Zitate diese falschen Inhalte weitertragen können. Mehr zu The Circle
Die Forscher sprechen von einem Verlust der „transcript consistency“. Gemeint ist: Alle Teilnehmer sehen nicht mehr dieselbe Gesprächsgrundlage. Der Text nennt mehrere Folgen: Zustimmung kann unterschiedlich dargestellt werden, Einladungen können je nach Empfänger auf verschiedene Tage fallen, oder Moderatoren sehen andere Inhalte als bestimmte Mitglieder.
Auch Abstimmungen lassen sich laut Quelle auf verschiedene Weise manipulieren. Das ist für Gruppen problematisch, in denen Entscheidungen per Chat vorbereitet oder getroffen werden. Der Text betont zudem, dass Gruppenchats inzwischen auch für wichtige politische Entscheidungen genutzt werden, die Betreiber aber keine unmittelbaren Maßnahmen planen.
Der Artikel beschreibt zwei grundlegende Verfahren für Ende-zu-Ende-verschlüsselte Gruppenchats. Bei paarweiser Kommunikation sendet der Client eine Kopie an jeden Empfänger. Bei „server fan-out“ geht eine Nachricht an den Server, der sie an die Gruppe verteilt. Beide Wege lassen sich laut Quelle missbrauchen.
Bei paarweiser Kommunikation kann der Angreifer mit derselben Nachrichten-ID unterschiedliche Inhalte an verschiedene Empfänger senden. Bei server fan-out kann er eine Verfälschung so platzieren, dass andere Clients sie als bereits bekannte Nachricht verwerfen. Zusätzlich nennt der Text bei Signal einen weiteren Angriffsweg: Der Absender kann einer Nachricht eine Mitgliederliste beilegen und einzelne Teilnehmer auslassen, sodass sie die Nachricht nicht erhalten und die Lücke nicht bemerken.
Ende-zu-Ende-Verschlüsselung bedeutet hier: Unbefugte können nicht mitlesen. Das schützt aber nicht vor Manipulation durch berechtigte Teilnehmer oder kompromittierte Geräte. Transcript consistency meint, dass alle Chatteilnehmer denselben Verlauf sehen. Genau das kann laut Quelle verloren gehen.
Paarweise Kommunikation heißt, dass für jedes Gruppenmitglied eine eigene Kopie verschickt wird. Server fan-out bedeutet, dass der Server eine Nachricht an die Gruppe weiterleitet. Der Text nennt außerdem, dass bei einem Fehler der Entschlüsselung bei Whatsapp und Signal auf paarweise Kommunikation zurückgefallen werden kann. Das macht den Angriff laut Quelle erst möglich.
Die Quelle nennt mehrere Beispiele, die zeigen, wie unterschiedlich der Chatverlauf wirken kann. Ein Gruppenmitglied kann Zustimmung zu einem anderen Vorschlag sehen als die übrigen Teilnehmer. Ein Link kann für die meisten nur zu einem Katzenbild führen, für ein Zielmitglied aber zu Malware. Auch Termine können je nach Empfänger unterschiedlich erscheinen.
Hinzu kommt: Bei mehreren Endgeräten eines Nutzers können unterschiedliche Inhalte auf verschiedenen Geräten ankommen. Der Text nennt das für Whatsapp, Signal und iMessage; bei Threema verweist er in diesem Zusammenhang auf das Manko fehlender Forward Secrecy. Für die drei anderen Dienste ist auch die Unterdrückung einer Nachricht je nach Endgerät möglich.
Die beschriebenen Schwächen stammen laut Quelle von einer österreichischen Gruppe aus IT-Sicherheitsforschern um Gabriel Gegenhuber. Sie meldeten die Probleme Anfang Februar an die vier Dienste. Genannt werden Whatsapp, iMessage, Signal und Threema.
Der Text sagt außerdem, dass keiner der vier Betreiber unmittelbare Maßnahmen plant, um das Grundproblem auszumerzen. Für Nutzer heißt das: Die übliche Annahme, dass alle Teilnehmer denselben Inhalt sehen, ist bei diesen Gruppenchats nicht automatisch gesichert.
Für Errichter von Alarm- und Brandmeldeanlagen ist das vor allem als Hinweis auf die Grenzen vermeintlich sicherer Kommunikationswege relevant. Wer Gruppen zur Abstimmung, Einsatzplanung oder internen Koordination nutzt, sollte sich bewusst sein, dass Verschlüsselung allein keine einheitliche Chatbasis garantiert. Mehr Hintergründe und Austausch zu solchen Themen finden Sie auch bei den Veranstaltungen von The Circle.
Die zentrale Aussage ist klar: Gruppenchats können verschlüsselt sein und trotzdem unterschiedliche Inhalte zeigen. Der Text macht damit ein Problem sichtbar, das nicht auf das Abhören zielt, sondern auf die Integrität des Chatverlaufs. Genau dort liegt das Risiko für Entscheidungen, die auf dem vermeintlich gemeinsamen Stand einer Gruppe beruhen.
Wenn Sie sich mit anderen inhabergeführten Errichtern über solche technischen und organisatorischen Fragen austauschen möchten, kann The Circle of Security Professionals der passende Rahmen sein. Das Netzwerk ist auf maximal 60 Unternehmen begrenzt und richtet sich an Betriebe, die fachlichen Austausch auf Augenhöhe suchen. Informationen zum Netzwerk finden Sie unter Über uns.
Quelle: Heise