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DIHK warnt vor Azubi-Lücke

Geschrieben von Bastian Fricke | 30. Juli 2026, 04:32:29 Z
Fast jede zweite Lehrstelle bleibt 2026 unbesetzt, obwohl sieben von zehn Unternehmen ihr Ausbildungsangebot stabil halten oder sogar ausbauen. Die DIHK sieht das Hauptproblem nicht bei den Plätzen, sondern bei den Bewerbern: Es fehlen geeignete Kandidaten und oft auch grundlegende Kompetenzen. Das trifft besonders kleine und mittlere Betriebe, die Ausbildung und Einarbeitung zusätzlich absichern müssen.

Der Engpass liegt bei den Bewerbern, nicht bei den Ausbildungsplätzen

Die DIHK-Ausbildungsumfrage 2026 zeigt ein klares Bild: Unternehmen wollen weiter ausbilden, doch viele Stellen bleiben leer. Von den 14.000 befragten Firmen halten sieben von zehn ihr Ausbildungsangebot mindestens auf Vorjahresniveau. Gleichzeitig bleibt fast jede zweite Lehrstelle unbesetzt.

Damit verschiebt sich das Problem. Nicht fehlende Ausbildungsplätze bremsen den Nachwuchs, sondern der Mangel an geeigneten Bewerbern. Zwei Drittel der Betriebe mit Besetzungsproblemen nennen genau diesen Punkt als Hauptgrund.

Welche Defizite Betriebe bei Bewerbern sehen

Die Umfrage nennt mehrere Bereiche, in denen Unternehmen Defizite feststellen. Jeder zweite Ausbildungsbetrieb bemängelt Schwächen bei Belastbarkeit und Sozialverhalten. Fast genauso viele sehen Lücken bei kognitiven Grundfertigkeiten.

Vier von zehn Firmen stoßen zudem auf Defizite in Mathematik, Deutsch oder Wirtschaftswissen. Die Quelle ordnet diese Fähigkeiten als Grundlagen ein, die eigentlich in der Schule vermittelt werden sollten. Für Betriebe bedeutet das: Sie müssen mehr Zeit und Unterstützung in den Einstieg investieren.

Was die Zahlen über die Lage im Mittelstand sagen

Die Konjunktur schwächt die Ausbildungsbereitschaft nicht vollständig, sie wirkt aber teilweise. Unter den Firmen mit negativen Geschäftserwartungen reduziert jede fünfte ihr Angebot deutlich, vier von zehn davon insgesamt. Der überwiegende Teil hält dennoch an der Ausbildung fest.

Bemerkenswert ist auch die Reaktion der Betriebe auf Defizite. Drei von vier Unternehmen mit festgestellten Schwächen nehmen Azubis mit Startschwierigkeiten trotzdem auf und finanzieren Nachhilfe aus eigener Tasche. Das zeigt, dass viele Betriebe den Bedarf an Fachkräften nicht einfach aufschieben können. Veranstaltungen können für den Austausch über solche Themen ein sinnvoller Rahmen sein.

Wichtige Begriffe aus der Umfrage

Mit Besetzungsproblemen sind in der Quelle offene Lehrstellen gemeint, die nicht mit passenden Bewerbern gefüllt werden können. Grundkompetenzen bezeichnet die Basisfähigkeiten, die Unternehmen bei vielen Bewerbern vermissen, etwa Belastbarkeit, Sozialverhalten sowie Kenntnisse in Mathe und Deutsch.

Die duale Ausbildung wird in der Umfrage als zentrales Instrument gegen den Fachkräftemangel beschrieben. Sie gilt als verlässliche Karrierebasis, weil Unternehmen ihre Auszubildenden später oft übernehmen und weiterqualifizieren.

Welche Maßnahmen die Betriebe selbst ergreifen

Die Quelle nennt vor allem zwei praktische Reaktionen der Unternehmen. Erstens nehmen viele Betriebe auch Bewerber mit Startschwierigkeiten auf. Zweitens zahlen sie Nachhilfe und andere Unterstützung selbst, um Defizite auszugleichen.

Hinzu kommt ein wichtiger Punkt für die Bindung von Nachwuchs: Rund zwei Drittel der Betriebe übernehmen ihre Azubis nach erfolgreichem Abschluss. Mehr als 80 Prozent unterstützen sie später sogar bei weiterer Qualifizierung. Für Betriebe ist Ausbildung damit nicht nur Rekrutierung, sondern auch ein Weg zur langfristigen Personalentwicklung.

Rolle von DIHK und Politik

Die DIHK bewertet die Lage als strukturelles Problem. Hauptgeschäftsführerin Helena Melnikov sagt, kleine und mittlere Betriebe könnten „nicht dauerhaft die Versäumnisse anderer Bereiche ausgleichen“. Sie fordert deshalb strukturelle Reformen in Wirtschafts- und Bildungspolitik.

In der Quelle nennt sie dafür konkrete Punkte: weniger Bürokratie und niedrigere Energiekosten. Die DIHK stellt damit nicht einzelne Einzelfälle in den Vordergrund, sondern einen systemischen Engpass, der Betriebe unabhängig von der Konjunktur trifft.

Die DIHK-Ausbildungsumfrage 2026 zeigt damit vor allem eines: Viele Unternehmen wollen weiter ausbilden, finden aber nicht genug geeignete Bewerber. Gleichzeitig müssen sie bei den vorhandenen Kandidaten immer häufiger Grundlagen nachziehen. Für Betriebe bleibt die duale Ausbildung wichtig, aber sie wird unter diesen Bedingungen aufwendiger. Teil von The Circle werden kann für Errichter sinnvoll sein, die sich mit anderen inhabergeführten Betrieben über Ausbildung, Personal und praktische Lösungen austauschen wollen.

Quelle: Markt und Mittelstand