Förderprogramm endet trotz offener Lehrstellen

  • September 23, 2026

Das Förderprogramm „Passgenaue Besetzung und Willkommenslotsen“ endet Ende 2027, obwohl es nachweislich Vermittlungen und hohe Zufriedenheitswerte erzielte. Zur gleichen Zeit bleiben viele Ausbildungsplätze unbesetzt und zahlreiche Bewerberinnen und Bewerber ohne Vermittlung – ein klares Passungsproblem für Betriebe und junge Menschen.

Problem und Kontext

Die Ausbildungslandschaft im Handwerk zeigt deutliche Spannungen: Zum Start des Ausbildungsjahrs waren landesweit 162.000 Ausbildungsplätze unbesetzt, und Ende Juli suchten die Handwerkskammern über ihre Lehrstellenbörsen konkret für 20.460 Stellen Auszubildende. Zugleich waren laut Berufsbildungsbericht zum Stichtag 30. September 2025 noch 39.900 Bewerberinnen und Bewerber ohne Vermittlung. Für Errichterbetriebe bedeutet das: Einerseits offene Kapazitäten, andererseits fehlende Passung zwischen Betrieben und Bewerbern. Entscheidend ist, wie schnell und zuverlässig geeignete Bewerber gefunden, eingearbeitet und gehalten werden.

Hintergrund

Als Reaktion auf solche Passungsprobleme hatte das Förderprogramm „Passgenaue Besetzung und Willkommenslotsen“ Beratungskräfte gefördert, etwa bei den Handwerkskammern. Im Jahr 2025 nahmen insgesamt über 4.400 Betriebe und mehr als 4.600 junge Menschen an der Beratung teil; davon waren 1.529 Geflüchtete. Die Beratungen führten in rund 4.900 Fällen zu Vermittlungen in Ausbildung, Arbeit oder Einstiegsqualifizierung, darunter 1.405 Vermittlungen mit geflüchteten Personen sowie jungen Menschen aus EU- und Drittstaaten. Parallel ist zu beachten, dass rund ein Drittel der Ausbildungsverträge im Handwerk vorzeitig gelöst wird.

Zentrale Begriffe erklären

Das Förderprogramm gliederte sich in zwei zentrale Module: „Passgenaue Besetzung“ zielte auf die Vermittlung von Auszubildenden innerhalb Deutschlands; „Willkommenslotsen“ richtete sich an ausländische Jugendliche, einschließlich Geflüchteter. Beide Module stellten Beratungskräfte bereit, die Betriebe bei Suche, Einstellung und Vermittlung unterstützten. Entscheidend war nicht nur die Erstvermittlung, sondern die Bestandsquote: Im Nachgang gaben 93 Prozent der Betriebe im Modul „Passgenaue Besetzung“ und 96 Prozent im Modul „Willkommenslotsen“ an, mit den vermittelten Personen zufrieden oder sehr zufrieden zu sein.

Wichtige Dimensionen oder Prinzipien

Mehrere Dimensionen sind für eine nachhaltige Lösung relevant: 1) Passung: Bewerberprofile mit konkreten betrieblichen Anforderungen abgleichen; 2) Integration und Betreuung: besonders bei ausländischen Jugendlichen Sprache und Einarbeitung sichern; 3) Bestandsquote: Vermittlungen müssen langfristig halten; 4) Berufsorientierung und Mobilität: junge Menschen brauchen Orientierung und Wege zur Stelle. Entscheidend dabei ist auch der Austausch unter Betrieben — etwa bei praktischen Treffen oder Fortbildungen, wie sie auf Veranstaltungen angeboten werden. Im Kern geht es um verlässliche Strukturen, die beide Seiten zusammenbringen.

Maßnahmen oder Lösungsansätze

Das Programm hat konkret auf Beratungskräfte gesetzt, die Betriebe bei Suche, Auswahl und Einstellung unterstützten. Diese Praxis führte zu hohen Zufriedenheitswerten und zu rund 4.900 Vermittlungen 2025. Als weitere Maßnahmen nennt der Text bundesweite Initiativen wie die Allianz für Aus- und Weiterbildung und die Vernetzung von Ausbildungsbotschafterinitiativen, die fortgeführt werden sollen. Entscheidend ist jetzt die Frage, wie Betriebe und Institutionen den Wegfall der geförderten Beratungskräfte kompensieren — etwa durch eigene Zeitressourcen, Kooperationen oder gebündelte Unterstützungsangebote.

Rolle von Politik, Organisationen oder Institutionen

Politik und Verbände spielen eine direkte Rolle: Das zuständige Bundeswirtschaftsministerium bestätigte, dass das Förderprogramm angesichts erheblicher Konsolidierungsmaßnahmen nicht verlängert wird und Ende 2027 ausläuft. Der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) kritisiert dieses Auslaufen als politisch widersinnig und fordert verlässliche Strukturen zur Vermittlung. Zugleich signalisiert das BMWE, sich nicht vollständig zurückzuziehen: Es will weiterhin Instrumente wie die Allianz für Aus- und Weiterbildung und die Vernetzung von Ausbildungsbotschafterinitiativen unterstützen. Entscheidend bleibt, wie diese Angebote die Lücke der geförderten Beratungsstrukturen schließen können.

Abschluss

Im Kern geht es um verlässliche Strukturen, die Jugendliche und Betriebe zusammenbringen. Das Programm hat gezeigt, dass geförderte Beratungskräfte Vermittlungen und Zufriedenheit steigern können: hohe Zufriedenheitsraten und nennenswerte Bestandsquoten sprechen dafür. Die politische Entscheidung, das Programm Ende 2027 auslaufen zu lassen, stellt Betriebe und Kammern vor die Aufgabe, die entstandene Lücke zu füllen. Die offene Frage lautet: Wie lassen sich die Erfolge der geförderten Beratung ohne staatliche Mittel dauerhaft sichern — durch Kooperationen, interne Kapazitäten oder andere Netzwerke?

Fragen wie diese lassen sich selten allein beantworten. Im Kreis von Betrieben, die vor denselben Herausforderungen stehen, entstehen oft die pragmatischsten Lösungen – dafür steht The Circle of Security Professionals. Wer wissen will, wie andere inhabergeführte Errichter mit dem Wegfall geförderter Beratung umgehen, findet im Austausch belastbare Antworten und Informationen zur Mitgliedschaft unter Werde Teil von The Circle.

Quelle: handwerk.com