Künstliche Intelligenz kann kleinen Unternehmen helfen, Aufgaben und Ziele zu übernehmen, die bisher kaum zu stemmen waren. Christian Steiger von Lexware beschreibt KI deshalb nicht als einzelnes Hilfsmittel, sondern als möglichen „KI-Co-CEO“. Gleichzeitig bleibt nach seiner Darstellung der Mensch für Haftung und Entscheidungen verantwortlich.
Warum KI für kleine Betriebe zum Strukturthema wird
Im Interview geht es nicht nur um Technik, sondern um die Frage, wie kleine Unternehmen künftig arbeiten können. Steiger sagt, KI könne den Nachteil kleiner Firmen gegenüber Konzernen verringern, weil sie Aufgaben übernimmt, für die in einem Kleinstbetrieb oft keine eigenen Fachrollen vorhanden sind. Er nennt als Beispiel einen Solo-Selbstständigen, der gleichzeitig CEO, CFO, Marketingverantwortlicher, CTO, Hausjurist sowie Ansprechpartner für Logistik und Service sein muss. Genau diese Bündelung von Rollen macht KI aus seiner Sicht relevant.
Für die Zielgruppe der Errichter ist daran vor allem der Gedanke wichtig, dass KI nicht auf einzelne Hilfsfunktionen begrenzt bleibt. Steiger spricht von einem Wechsel „weg vom Prompten, hin zum Mandatieren“. Gemeint ist damit, dass die KI nicht nur einzelne Fragen beantwortet, sondern auf ein Ziel ausgerichtet arbeitet. Ein passender Hintergrund dazu ist auch sein Verweis auf kleine Unternehmen als großen Teil der Wirtschaft: Sie würden zu wenig wahrgenommen, obwohl ihre Rolle aus seiner Sicht zentral ist.
Welche Größenordnung Steiger nennt
Steiger verweist auf konkrete Zahlen: Soloselbstständige und Kleinstunternehmen machten 97 Prozent aller Unternehmen in Deutschland aus und beschäftigten 12,5 Millionen Menschen. Daraus leitet er ab, dass es ein „Unding“ sei, diese Gruppe so wenig wahrzunehmen. Er nennt außerdem ein Beispiel aus dem eigenen Geschäft: Im Cloud-Geschäft habe Lexware im vergangenen Jahr mehr als 150.000 Neukunden gewonnen. Das zeigt, dass der Text KI nicht als Zukunftsvision ohne Boden beschreibt, sondern als Entwicklung, die bereits läuft.
Ein weiterer Punkt ist seine Aussage, dass kleine und mittlere Unternehmen KI schneller nutzen könnten als große. Bei Konzernen müssten zunächst Daten so aufbereitet werden, dass sie nutzbar seien. In kleinen Betrieben seien die Zusammenhänge oft schon klarer. Deshalb könnten sie „fast schon schneller sein“ und nicht mehr bei „Level null“ starten, sondern bei „Level fünf“.
Was mit „KI-Co-CEO“ und „Mandatieren“ gemeint ist
Der Begriff „KI-Co-CEO“ beschreibt in dem Interview keine echte Geschäftsführung durch Software, sondern eine funktionale Rolle an der Seite des Unternehmers. Steiger stellt sich vor, dass die KI nicht einzelne Mini-Aufgaben erledigt, sondern für Ziele beauftragt wird. Der Nutzer gibt also ein Mandat mit Ziel und Ergebnis vor. Die KI soll dann Wege finden, wie dieses Ziel erreicht werden kann.
„Prompten“ bedeutet in diesem Zusammenhang das gezielte Fragen oder Anweisen der KI für einzelne Aufgaben. „Mandatieren“ geht nach Steigers Darstellung darüber hinaus. Es bedeutet, Ziel, Grenzen und Eskalationsstufen zu definieren. Der Unternehmer entscheidet also, was die KI tun darf, was sie nicht tun soll und wann ein Mensch eingreifen muss.
Welche Prinzipien Steiger für den Einsatz nennt
Steiger beschreibt drei Punkte, die für den Einsatz wichtig sind:
- Das Ziel muss klar definiert werden. Er sagt selbst, das sei oft schwieriger, als es klingt.
- Es braucht Grenzen. Die KI soll wissen, bis wohin sie gehen darf und wann sie stoppen muss.
- Der Mensch bleibt verantwortlich. Die Haftung im Unternehmertum werde immer beim Menschen bleiben.
Als Beispiel nennt er die Buchhaltung. Dort gebe es aus seiner Sicht keine Beta-Version, weil beim Finanzamt „schwarz oder weiß“ gelte. Gleichzeitig betont er, dass Automatisierung in diesem Bereich nicht neu sei. Neu sei vielmehr, dass KI Unternehmertum auch in Bereichen verändern könne, die man nicht machen wolle oder könne.
Welche Schritte im Text genannt werden
Als erster Schritt wird die Zieldefinition genannt. Danach soll der Unternehmer festlegen, welche Aufgaben an die KI gehen und wo eine Eskalationsstufe nötig ist. Steiger sagt, mit diesen Informationen und einem Mandat könne eine KI schon heute sehr viel leisten. Er spricht außerdem davon, dass sie Erfahrung zurückgeben und neue Wege zeigen könne. Das ist der Kern seines sogenannten „Lena-Prinzips“, benannt nach einer früheren Kollegin, von der er viel gelernt habe.
Für kleine Betriebe lässt sich daraus vor allem eines ableiten: KI wird im Text als Instrument zur Entlastung beschrieben, nicht als Ersatz für unternehmerische Verantwortung. Wer damit arbeiten will, muss zuerst die eigenen Ziele sauber formulieren. Mehr dazu, wie sich Errichter im Netzwerk von The Circle austauschen können, finden Sie hier.
Auch der Vergleich zwischen kleinen und großen Unternehmen spielt eine Rolle. Große Firmen hätten laut Steiger möglicherweise sogar größere Probleme, weil sie ihre Daten erst aufbereiten müssten. Kleine Unternehmen könnten schneller starten, weil ihre Abläufe oft überschaubarer sind. Der Text zeigt damit eine klare Richtung: Nicht die Größe entscheidet, sondern wie klar Ziele, Zuständigkeiten und Grenzen definiert sind.
Am Ende bleibt die zentrale Aussage: KI soll kleine Unternehmen nicht nur bei Einzelaufgaben entlasten, sondern ihnen helfen, unternehmerisch in Zielbildern zu denken. Gleichzeitig bleibt der Mensch der Verantwortliche. Für Betriebe im Sicherheitsgewerbe ist das vor allem dann relevant, wenn sie Abläufe strukturieren und Routineaufgaben stärker auslagern wollen. Impulse dazu gibt es auch bei den Veranstaltungen von The Circle.
The Circle of Security Professionals ist ein Netzwerk für Errichter, die Kooperation und Offenheit schätzen, wachsen möchten und sich auf technische Lösungen im Sicherheitsgewerbe konzentrieren. Wenn Ihr Betrieb zwischen 8 und 80 Mitarbeiter hat, inhabergeführt ist und einen technischen Außendienst besitzt, kann ein Austausch im Kreis der bis zu 60 Mitglieder passen. Informationen dazu finden Sie unter Teil von The Circle werden.
Quelle: Markt und Mittelstand