Die Herausforderung der digitalen Souveränität
Mit einem Aktionsplan für die Errichtung neuer Rechenzentren will die Europäische Union gleich zwei Ziele gleichzeitig erreichen, nämlich
1. mehr digitale Souveränität und weniger Abhängigkeit von US-Rechenzentren und
2. eine Optimierung der Standorte nach wirtschaftlichen und vor allem ökologischen Kriterien.
Für Sicherheitsunternehmen ist es eine spannende Frage, wo neue Datenzentren entstehen, denn deren Anforderungen an Sicherheitstechnik sind hoch. Sowohl der Einbruchs- als auch der Brandschutz spielen eine sehr große Rolle. In welchem Umfang dabei auch kleine und mittlere Unternehmen zum Zug kommen, wird sich zeigen müssen.
Das sind die Kriterien der EU
Die EU plant, durch die Schaffung von „data centre acceleration zones“ und die Integration von Datacentern in das europäische Stromnetz die Entwicklung effizienter und nachhaltiger Rechenzentren voranzutreiben. Dabei sollen auch moderne KI-Modelle für den Energiesektor entwickelt werden.
Für die Ausweisung der geplanten Beschleunigungszonen für Rechenzentren sollen Standorte berücksichtigt werden, die über ausreichende Flächen, verfügbare Stromkapazitäten und eine leistungsfähige Netzanbindung verfügen. Ziel ist es, Rahmenbedingungen zu schaffen, die den schnellen und effizienten Ausbau digitaler Infrastrukturen ermöglichen.
Darüber hinaus sollen bei der Standortwahl nachhaltige Energieaspekte eine zentrale Rolle spielen. Dazu zählen die Nutzung erneuerbarer beziehungsweise emissionsarmer Energiequellen, Möglichkeiten zur Energiespeicherung vor Ort sowie Konzepte zur Nutzung der entstehenden Abwärme. Auf diese Weise sollen Rechenzentren stärker zur Energiewende und zur Reduzierung von Treibhausgasemissionen beitragen.
Ein weiterer Fokus liegt auf der Nutzung bereits erschlossener Flächen. Insbesondere die Umwidmung bestehender Industriegebiete soll gefördert werden, um zusätzliche Flächenversiegelung zu vermeiden. Gleichzeitig sollen die Genehmigungsverfahren für Rechenzentren in diesen ausgewiesenen Ausbauzonen deutlich vereinfacht und beschleunigt werden, um Investitionen schneller realisieren zu können.
Welche Regionen profitieren könnten
Welche Regionen in Deutschland profitieren könnten, ist noch unklar. Bisher ist das Rhein-Main-Gebiet rund um Frankfurt ganz klar die Nummer 1 für Rechenzentren. Das wird sicher auch so bleiben. Allerdings könnten einige Regionen in den nächsten Jahren aufholen.
Rheinisches Revier als Zukunftsstandort?
Dabei werden meist zwei Regionen als potenzielle Kandidaten genannt. Das ist zum einen das Rheinische Revier mit Teilen des Ruhrgebiets. Das punktet vor allem mit guten Netzanschlüssen aus der Zeit, als hier große Stein- und Braunkohlekraftwerke das Rückgrat der deutschen Energieversorgung bildeten. Außerdem liegen zahlreiche Städte in der Nähe, in denen die Abwärme der Datenzentren zum Heizen genutzt werden kann. Gerade alte Kraftwerksstandorte sind bei Betreibern von Rechenzentren beliebt, denn sie punkten mit einer guten Anbindung an die Stromversorgung. Außerdem sind hier oft Flächen schon erschlossen, die früher für das Kraftwerk oder für Industriebetriebe genutzt wurden. Das senkt die Anschlusskosten und es müssen keine neuen Flächen versiegelt werden.
Lausitz schon jetzt mit Milliardeninvestition
Aus dem gleichen Grund punkten auch die Lausitz und das Mitteldeutsche Revier, also das südliche Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt sowie Teile Thüringens. Idealtypisch lässt sich das in Lübbenau im Spreewald beobachten. Dort baut die Schwarz-Gruppe für elf Milliarden Euro auf dem Gelände eines ehemaligen Braunkohle-Kraftwerks ein 200-Megawatt-Rechenzentrum. Der Strom soll zum großen Teil aus Wind- und Sonnenenergie stammen.
Gerade in Sachsen-Anhalt sind in den vergangenen Jahren große Windparks entstanden, die Rechenzentren den gewünschten Strom liefern können. Außerdem hat auch hier der Strukturwandel zahlreiche ungenutzte Industrieflächen hinterlassen.
Hintergrund der EU-Initiativen
Die EU-Kommission hat Maßnahmen wie den „Cloud and AI Development Act“ und den „Chips Act 2.0“ eingeführt, um die digitale Souveränität zu fördern. Der Chips Act zielt darauf ab, die europäische Halbleiterindustrie zu stärken und die Genehmigungsverfahren für den Bau von Datencentern zu beschleunigen. Diese Initiativen sind Teil eines umfassenden Plans, um Datacenter-Kapazitäten bis 2032 zu verdreifachen.
Der Begriff „Datacenter acceleration zones“ beschreibt spezielle Gebiete, in denen der Ausbau von Datacentern durch vereinfachte Genehmigungsverfahren und Infrastrukturförderung erleichtert wird. Diese Zonen sollen es ermöglichen, emissionsarme Energie effizient zu nutzen und bestehende Industriegebiete umzuwidmen.
Wichtige Dimensionen des Maßnahmenpakets
- Nachhaltigkeit: Fokus auf emissionsarme Energieproduktion und Abwärmenutzung.
- Innovationen: Unterstützung neuer Technologien und Forschungsinitiativen.
- Regulierung: Vereinfachung von Genehmigungsverfahren zur Erhöhung der Datacenter-Kapazitäten.
Zusammenfassung und Ausblick
Die Initiativen der EU zur Stärkung der digitalen Souveränität schaffen neue Möglichkeiten für Sicherheitsunternehmen. Die Entwicklung von Datacentern erfordert innovative Sicherheitslösungen, die den neuen Anforderungen gerecht werden. Wie werden sich diese Veränderungen auf die Sicherheitsbranche auswirken und welche neuen Chancen ergeben sich für Errichter von Sicherheitsanlagen? Und werden davon auch kleine und mittelgroße Betriebe profitieren, oder ausschließlich die großen der Branche?
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