Notstromanlagen in sicherheitskritischen Gebäuden sind häufig nicht ausreichend vorbereitet. Laut TÜV-Baurechtsreport 2026 weisen 35 Prozent der geprüften Notstromanlagen in Sonderbauten wesentliche Mängel auf. Gleichzeitig nehmen hybride Angriffe auf Energieversorgung, Verkehrssysteme und Kommunikationsnetze zu.
Notstrom wird zur Aufgabe für die gesamte Sicherheitsinfrastruktur
Der TÜV-Verband fordert deshalb eine Modernisierung der sicherheitstechnischen Infrastruktur in Deutschland. Ziel muss sein, Risiken frühzeitig zu erkennen, den Betrieb im Krisenfall aufrechtzuerhalten und Systeme nach einem Ausfall geordnet wiederherzustellen. Für Errichterbetriebe rückt damit die Frage in den Mittelpunkt, wie technische Anlagen in sicherheitskritischen Gebäuden auch bei einer Unterbrechung der Stromversorgung funktionsfähig bleiben. Das betrifft nicht nur die Energieversorgung selbst. Auch Gebäudetechnik und andere physische Systeme stehen in enger Verbindung mit digitalen Komponenten und müssen im Zusammenhang betrachtet werden.
35 Prozent der Notstromanlagen mit wesentlichen Mängeln
Besonders deutlich wird der Handlungsbedarf bei Sonderbauten wie Krankenhäusern, Schulen, Hochhäusern und Einkaufszentren. Nach dem TÜV-Baurechtsreport 2026 weist mehr als jede dritte geprüfte Notstromanlage, genau 35 Prozent, wesentliche Mängel auf. Gegenüber 2022 ist der Anteil der Anlagen mit erheblichen Mängeln um neun Prozentpunkte gestiegen. Genannt werden nicht startende Notstromaggregate, veralteter Kraftstoff und defekte Speicherbatterien. Im Fall eines Stromausfalls kann die Notversorgung relevante Systeme aufrechterhalten oder eine rechtzeitige Evakuierung ermöglichen. Damit wird die zuverlässige Funktion der Anlage zu einer konkreten Prüf- und Wartungsaufgabe.
Was hybride Angriffe für technische Anlagen bedeuten
Der Begriff „hybride Angriffe“ bezeichnet in der Mitteilung Angriffe auf verschiedene kritische Bereiche, darunter Energieversorgung, Verkehrssysteme und Kommunikationsnetze. Der TÜV-Verband verbindet diese Entwicklung mit einer zunehmenden Vernetzung physischer und digitaler Systeme. Betroffen sein können beispielsweise Energieversorgung, Gebäudetechnik und Verkehrsinfrastruktur. Für die Praxis bedeutet das: Die Sicherheit eines Gebäudes lässt sich nicht mehr ausschließlich getrennt nach einzelnen technischen Gewerken betrachten. Auch die digitale Sicherheit gehört zur Widerstandsfähigkeit der Anlage. In der TÜV-Cybersecurity-Studie gaben 15 Prozent der Unternehmen an, im Jahr vor der Befragung von einem Cyberangriff betroffen gewesen zu sein.
Drei Prinzipien für widerstandsfähige Systeme
Aus den Aussagen des TÜV-Verbands lassen sich drei miteinander verbundene Prinzipien ableiten:
- Früh erkennen: Risiken sollen rechtzeitig erkannt werden, bevor sie den Betrieb beeinträchtigen.
- Betrieb aufrechterhalten: Im Krisenfall müssen relevante Systeme weiter funktionieren. Die Notversorgung ist dabei ein kritischer Faktor.
- Geordnet wiederherstellen: Nach einem Ausfall sollen Systeme kontrolliert und in einer geordneten Weise wieder in Betrieb genommen werden.
Diese Prinzipien betreffen sowohl die technische Notstromversorgung als auch den Schutz der vernetzten digitalen und physischen Infrastruktur. Für Errichterbetriebe entsteht daraus eine gemeinsame Betrachtung von Anlagenfunktion, Ausfallsicherheit und Wiederherstellung.
Welche Lösungsansätze der TÜV-Verband nennt
Der TÜV-Verband fordert eine Modernisierungsoffensive für die sicherheitstechnische Infrastruktur. Dazu gehört, die Notstromversorgung in Sonderbauten zu ertüchtigen und den Negativtrend bei den Mängelzahlen zu stoppen. Zugleich sollen private Akteure in die Sicherheit und Widerstandsfähigkeit ihrer Gebäude und Anlagen investieren. Im Bereich der digitalen Sicherheit müsse der Schutz vor Cyberangriffen über die digitale Welt hinaus verstärkt werden, weil physische und digitale Systeme zunehmend miteinander verbunden sind. Für Errichterbetriebe liegt die praktische Aufgabe darin, diese Anforderungen im jeweiligen Gebäude und in der konkreten technischen Anlage nachvollziehbar zu bearbeiten. Ein Austausch über [Veranstaltungen](https://veranstaltungen.the-circle.de/) kann dabei unterschiedliche Herangehensweisen sichtbar machen.
Bund, Unternehmen und TÜV-Verband in der Verantwortung
Der TÜV-Verband schlägt vor, das Sondervermögen des Bundes auch für die Ertüchtigung der sicherheitstechnischen Infrastruktur zu nutzen. Gleichzeitig sieht er private Akteure in der Pflicht, in die Sicherheit und Widerstandsfähigkeit ihrer Gebäude und Anlagen zu investieren. Der Verband selbst vertritt die politischen Interessen der TÜV-Prüforganisationen und fördert den fachlichen Austausch seiner Mitglieder. Als Grundlage technischer Sicherheit nennt er allgemeingültige Standards, unabhängige Prüfungen und qualifizierte Weiterbildung. Zusätzlich verweist der TÜV-Verband auf ein Positionspapier zur Resilienz von Wirtschaft und Zivilgesellschaft sowie auf den TÜV-Baurechtsreport 2026.
Die offene Aufgabe für die Praxis
Die Zahlen zur Notstromversorgung zeigen einen konkreten Verbesserungsbedarf in Sonderbauten. Gleichzeitig macht die zunehmende Vernetzung deutlich, dass Resilienz nicht bei einem einzelnen Aggregat oder einer einzelnen Batterie endet. Entscheidend ist, ob Risiken früh erkannt, relevante Systeme im Krisenfall betrieben und Ausfälle geordnet behoben werden können. Für Betreiber, Planer und Errichter stellt sich damit die gemeinsame Aufgabe, den Zustand sicherheitskritischer Anlagen belastbar zu bewerten und notwendige Investitionen abzuleiten. Wie sich der Negativtrend bei den Mängelzahlen stoppen lässt, bleibt eine praktische Frage für alle Beteiligten.
Wie andere inhabergeführte Errichterbetriebe mit der Prüfung und Modernisierung sicherheitskritischer Anlagen umgehen, zeigt sich oft erst im Austausch. Im The Circle of Security Professionals treffen sich dafür Betriebe, die vor vergleichbaren technischen und organisatorischen Fragen stehen und voneinander lernen wollen.
Quelle: ots Presseportal: TÜV-Verband fordert Modernisierung der Notstromversorgung in Deutschland