Warum viele Handwerker vorzeitig ausscheiden

  • Januar 1, 1970

Warum viele Betriebe mit Personalproblemen rechnen

Die zentrale Herausforderung ist, dass ein großer Teil der Beschäftigten sich unter den aktuellen Arbeitsbedingungen nicht bis zur Rente durchhalten sieht. Laut DGB‑Auswertung erwarten 72 Prozent im Klempnerei/Sanitär/Heizung‑Bereich und 66 Prozent in Hochbauberufen ein vorzeitiges Ausscheiden. Insgesamt geben 40 Prozent der Beschäftigten an, sich unter den aktuellen Bedingungen nicht bis zum gesetzlichen Rentenalter arbeiten zu können. Diese Erwartung spiegelt ein strukturelles Risiko für Handwerksbetriebe und die Personalplanung wider.

Zahlen und Daten aus dem DGB‑Index

Die Auswertung des DGB‑Index „Gute Arbeit – Durchhalten bis zur Rente?“ basiert auf Daten von 2022 bis 2026 und umfasst 27.989 Beschäftigte. Altersgruppen zeigen Unterschiede: Unter 25‑Jährige können zu 46 Prozent vorstellen, bis zur Rente zu arbeiten; bei den über 55‑Jährigen sind es 58 Prozent. Der DGB‑Index fragt Beschäftigte, ihre gesundheitliche Lage und die Anforderungen der aktuellen Arbeitssituation zu berücksichtigen. DGB‑Vorsitzende Yasmin Fahimi bezeichnete die Ergebnisse als „bitteren Befund“.

Begriffsklärungen: Was genau wird gemessen?

Der DGB‑Index erhebt die Selbsteinschätzung zur Arbeitsfähigkeit bis zum gesetzlichen Renteneintrittsalter. Als Belastungsfaktoren nennt die Auswertung konkret „körperlich schwere Arbeit“, „Lärm“, „Zeitdruck“ und „lange Arbeitszeiten“. Weiter verglichen werden Aspekte wie Autonomie am Arbeitsplatz und betriebliche Gesundheitsförderung. Die Auswertung stellt Zusammenhänge zwischen diesen Faktoren und der Einschätzung, bis zur Rente arbeiten zu können, dar, zum Beispiel Unterschiede in der Zuversicht je nach Autonomie oder Gesundheitsangeboten.

Wichtige Dimensionen für Arbeitsfähigkeit

  • Körperliche Belastung: Bei regelmäßiger schwerer körperlicher Arbeit rechnen 72 Prozent mit vorzeitigem Ausscheiden.
  • Lärm: 61 Prozent sehen bei dauerhafter Lärmbelastung eine frühere Rente auf sich zukommen.
  • Zeitdruck: 59 Prozent nennen häufigen Zeitdruck als Grund für Pessimismus.
  • Lange Arbeitszeiten: Längere Wochenarbeitszeit steigert die Wahrscheinlichkeit, nicht bis zur Rente durchzuhalten.
  • Autonomie und Gesundheitsförderung: Diese Faktoren korrelieren positiv mit der Selbsteinschätzung, länger arbeiten zu können.

Maßnahmen, die laut Auswertung helfen können

Die Auswertung nennt mehrere Ansatzpunkte, mit denen Arbeitgeber gegensteuern können: bessere Arbeitsbedingungen, weniger Lärm, kürzere oder geregeltere Arbeitszeiten, technische Hilfsmittel für schwere Tätigkeiten sowie mehr Autonomie am Arbeitsplatz. Konkrete Effekte: Beschäftigte mit hoher Autonomie nannten zu 65 Prozent, sie könnten bis 67 arbeiten, bei vollständig fremdbestimmten Tätigkeiten waren es 36 Prozent. Bei als ausreichend bewerteter betrieblicher Gesundheitsförderung lag der Anteil bei 69 Prozent, ohne Gesundheitsförderung nur bei 46 Prozent. Für Austausch zu Umsetzungsmöglichkeiten eignen sich Formate wie Veranstaltungen.

Welche Rolle spielen Organisationen und Politik?

Die Auswertung stammt vom Deutschen Gewerkschaftsbund und richtet mit der Veröffentlichung eine politische Botschaft an Arbeitgeber und Entscheidungsträger. DGB‑Vorsitzende Yasmin Fahimi forderte, Menschen gesund bis zum gesetzlichen Renteneintrittsalter in Arbeit zu halten. Die Ergebnisse des Index sollen Grundlage für Diskussionen über Arbeitsbedingungen und präventive Maßnahmen in Betrieben sein. Damit rückt die Verantwortung der Arbeitgeber für Arbeitsgestaltung und betriebliche Gesundheitsförderung in den Mittelpunkt der Debatte.

Schlussfolgerung und Ausblick

Die zentrale Aussage der DGB‑Auswertung lautet: Hohe physische und organisatorische Belastungen reduzieren die Perspektive, bis zur Rente im Beruf zu bleiben. Arbeitgeber können dem entgegenwirken, indem sie Belastungen reduzieren und Autonomie sowie Gesundheitssysteme stärken. Offen bleibt, in welchem Umfang Betriebe die empfohlenen Maßnahmen tatsächlich umsetzen und welche Effekte das langfristig auf Fachkräftesicherung und Fehlzeiten haben wird. Die Frage ist, wie schnell und in welchem Umfang Betriebe konkrete Schritte realisieren.

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Quelle: handwerk.com