Das Handwerk steht unter Druck: Aufträge, Beschäftigung und Umsätze fallen, Investitionen bleiben aus. ZDH-Präsident Jörg Dittrich fordert konsequente Reformen, niedrigere Lohnzusatzkosten und weniger Bürokratie, damit Betriebe nachhaltig wirtschaftlich bleiben und Nachfolgen gelingen.
Warum die Lage für Errichterbetriebe kritisch bleibt
Die aktuelle Situation zeigt sich in sinkenden Aufträgen, rückläufiger Beschäftigung und fallendem Umsatz; private Investitionen werden zurückgehalten. Für Errichterbetriebe bedeutet das weniger Planungssicherheit bei Projekten, enger werdende Margen und damit eingeschränkte Möglichkeiten, in Personal oder Technik zu investieren. Entscheidend ist: Wenn die Reformen nicht weiterverfolgt werden, erwartet der ZDH-Präsident keine Besserung. Die Folge sind Risiken für Betriebsnachfolge und für die Bezahlbarkeit handwerklicher Leistungen, weil steigende Gesamtbelastungen die Spielräume der Betriebe reduzieren.
Zahlen und Fakten, die die Einordnung erleichtern
Der ZDH nennt konkrete Ankerpunkte: Die Lohnzusatzkosten liegen aktuell bei rund 43 Prozent; Ziel sollte eine Bewegung zurück in Richtung 40 Prozent sein. In den kommenden Jahren dürften deutlich mehr als 125.000 Betriebe übergeben werden müssen. Die Ausbildungssituation hat sich in den letzten vier Jahren leicht verbessert, obwohl die absolute Zahl der Ausbildungsverhältnisse geringer ist als früher. Rund 16 Prozent der Beschäftigten im Handwerk haben einen ausländischen Pass. Diese Punkte bilden die Grundlage für Dittrichs Forderungen an Politik und Verbände.
Was mit zentralen Begriffen gemeint ist
Lohnzusatzkosten bezeichnet der ZDH als den prozentualen Anteil der Sozialversicherungsbeiträge am Lohn: Arbeitgeber- und Arbeitnehmerbelastungen zusammengenommen. Bei der Rentenreform nennt Dittrich positive Elemente wie den Nachhaltigkeitsfaktor und den Einstieg in Kapitaldeckung, kritisiert aber Mehrbelastungen und eine pauschale Anhebung der Lebensarbeitszeit. Unter überbetrieblicher Lehrlingsunterweisung versteht der ZDH eine geförderte Ausbildungsstütze, deren geplante Mittelkürzung er kritisiert. Diese Begriffe bestimmen die Debatte um Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigungsbedingungen im Handwerk.
Kerndimensionen, die Betriebe jetzt im Blick haben sollten
Wesentliche Aspekte aus dem Interview lassen sich so zusammenfassen:
- Lohnzusatzkosten: Einfluss auf Netto-Einkommen, Kaufkraft und Investitionsspielraum.
- Bürokratie und Kontrolle: Hemmnisse bei Betriebsgründung und Nachfolge.
- Ausbildung und Fachkräfte: sichern künftige Kapazitäten, überbetriebliche Unterweisung ist zentral.
- Digitalisierung und Technik: Voraussetzung, um Wettbewerbsfähigkeit zu halten.
- Zuwanderung und Integration: notwendige Entlastungsquelle für den Fachkräftebedarf.
Konkrete Maßnahmen und Ansatzpunkte aus dem Interview
Dittrich nennt klare Handlungsfelder: Senkung der Lohnzusatzkosten durch Überprüfung aller Sozialversicherungssysteme; Abbau von Ineffizienzen; stärkere Finanzierung gesamtgesellschaftlicher Aufgaben aus Steuermitteln; Bürokratieabbau; und die Fortführung von Förderprogrammen für Ausbildung. Praktische Unterstützung für körperlich belastete Berufe sieht er in Technik (Exoskelette, Hebetechnik) und besseren Arbeitsbedingungen. Zugleich fordert er verlässliche Förderlinien für die überbetriebliche Lehrlingsunterweisung. Austausch und Weiterbildung helfen, konkrete Umsetzungsfragen zu lösen; Veranstaltungen bieten dafür geeignete Gelegenheiten (https://veranstaltungen.the-circle.de/).
Welche Rolle Politik und Verbände spielen
Für Dittrich ist politische Verlässlichkeit entscheidend: Reformen müssen konsequent umgesetzt werden, Versprechen dürfen nicht zu Mehraufwand für Betriebe führen. Er nennt Beispiele, bei denen angekündigte Maßnahmen nicht flächendeckend umgesetzt wurden (Stromsteuer, Bonpflicht, Sonntagsbackverbot) und fordert deshalb ein stärkeres Beharren von Interessenvertretungen wie dem ZDH. Ziel ist, durch strukturelle Änderungen die Gesamtbelastung zu senken und so Investitions- sowie Nachfolgesicherheit zu stärken.
Einordnung im internationalen Wettbewerb
Digitalisierung und der Einsatz von Zukunftstechnologien sind laut Dittrich ein Wettbewerbsfaktor gegenüber anderen Ländern und Kontinenten. Dieses Wettbewerbsumfeld macht Tempo bei Digitalisierung und Umsetzung nötig, damit der Standort Deutschland nicht zurückfällt. Gleichzeitig hebt er hervor, dass das Handwerk bereits technologische Erleichterungen nutzt, die helfen können, Erwerbsbiografien zu verlängern und Fachkräfte zu halten.
Fazit und offene Fragen
Im Kern geht es um die Frage, wie Investitions- und Nachfolgesicherheit für Betriebe wiederhergestellt werden kann: durch geringere Lohnzusatzkosten, weniger Bürokratie, stabile Förderprogramme für Ausbildung und schnellere Digitalisierung. Dittrich stellt klar, dass ohne entschlossene Reformen die Lage schwerer wird – die Herausforderung bleibt, politische Zusagen in verlässliche Entlastungen zu übersetzen. Die offene Frage lautet: Wie lassen sich diese Maßnahmen so kombinieren, dass sie unmittelbar die wirtschaftliche Handlungsfähigkeit der Errichterbetriebe stärken?
Fragen wie diese lassen sich selten allein beantworten. Im Kreis von Betrieben, die vor denselben Herausforderungen stehen, entstehen oft die pragmatischsten Lösungen – dafür steht The Circle of Security Professionals. Wer wissen will, wie andere inhabergeführte Errichterbetriebe mit Finanzierung, Nachfolge und Digitalisierung umgehen, findet im Austausch von The Circle belastbare Antworten (https://www.the-circle.de/werde-teil-von-the-circle).
Quelle: handwerk.com